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Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Kranichzug über Bayern
25.10.2019

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) weist darauf hin, dass Kraniche derzeit gut am südbayerischen Himmel zu beobachten seien.

Deutschland- und europaweit ist der Zug der Kraniche in vollem Gange. Auch über Bayern sind vielerorts wieder ziehende Kraniche zu sehen und zu hören. „Auf ihrer seit einigen Jahren etablierten Route entlang des Alpenrandes nach Westen werden seit Mitte Oktober vor allem über Landshut, Ingolstadt oder Pfaffenhofen größere Trupps von 100 bis 300 der ruffreudigen Zugvögel beobachtet“, sagt die LBV-Artenschutzreferentin und Kranichexpertin Dr. Miriam Hansbauer. Der LBV erwartet deshalb in den kommenden Tagen weitere ziehende Kraniche am Himmel über Bayern. Wer in den Genuss dieses Herbstschauspiels kommen will, dem empfehlen die Naturschützer: Kopf hoch und Ohren spitzen! Die Großvögel sind leicht an ihrer V-förmigen Formation und den trompetenartigen Rufen zu erkennen.

Hundertausende Kraniche haben sich in den letzten Wochen auf den Weg in ihre Winterquartiere in Südwesteuropa und Nordafrika gemacht. Dabei überfliegen viele von ihnen seit wenigen Jahren auch Bayern. „Vor allem entlang der Flüsse Donau, Isar oder auch Lech stehen die Chancen für Kranichbeobachtungen in den nächsten Tagen gut“, erklärt die LBV-Artenschützerin. Diese noch junge südliche Alpenzugroute entlang der Donau nutzen osteuropäische Kraniche, die vom größten europäischen Rastplatz im Nationalpark Hortobágy in Ungarn kommen.

Die derzeit über Bayern zu beobachtenden Kraniche kommen über den baltisch-ungarischen Zugweg von Ungarn über Österreich. Sie queren Südbayern in west-südwestlicher Richtung und fliegen weiter entlang der Alpen, um schließlich in der Camargue im Süden Frankreichs zu rasten. Warum sich diese neue Zugroute so etabliert hat, ist nicht eindeutig zu erklären und hängt mit vielen Faktoren zusammen. Ein entscheidender Faktor: „Kraniche sind sehr flexibel und es werden keine genetisch fixierten Zugrouten vererbt“, erklärt Hansbauer. Von Experten wird außerdem angenommen, dass eine allgemeine Ausdehnung des Brutareals sowie der Klimawandel maßgeblich Einfluss nehmen. „Es ist inzwischen bekannt, dass erfahrene Altvögel Informationen über Zugrouten weitergeben und somit andere Kraniche dazu veranlassen können, mit ihnen auf neuen Wegen zu ziehen“, so die LBV-Kranichexpertin weiter.

Kraniche orientieren sich bei ihrem Zug an Landmarken wie Flüssen und Berggipfeln. Sie ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetter. Dann tragen sie die östlichen Winde mit werden und die Vögel sparen Kraft. In der typischen V-Formation fliegen die kräftigen und erfahrenen Tiere an der Spitze, gefolgt von Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Bei günstigen Flugbedingungen können die bis zu 1,30 Meter großen Tiere ohne Stopp mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 70 Stundenkilometer bis nach Südeuropa fliegen. „Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass zwischen Mitte Oktober und Mitte November die meisten Kraniche durch Bayern ziehen“, sagt Hansbauer.

Dass es wieder Kraniche über Bayern zu sehen gibt, ist jahrzehntelangen Schutzbemühungen zu verdanken, durch die sich die Bestände in ganz Europa erholt haben. So ist der in vielen Ländern als „Glücksvogel“ verehrte Vogel heute auch in Bayern wieder mit mindestens 20 Brutpaaren vertreten, die meisten davon in der Oberpfalz.

 
 
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