Akzeptieren

Wir verwenden Cookies um verschiedene Servicedienste anzubieten und diese laufend für Sie zu verbessern. Informationen dazu finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Mit der Nutzung unserer Internetseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Topthema
Zum Birden im Zululand
09.09.2016

„Cetshwayo’s Grab“ und „Shaka’s Residenz“, Paulpietersburg und Gluckstadt, Hluhluwe und Mkuze – wer kann schon mit diesen Begriffen hierzulande etwas anfangen? Was wie bunt zusammengemischtes Kauderwelsch klingt, bringt die Augen des Südafrikakenners unter Vogelbeobachtern zum Leuchten. Die Rede ist von Zululand, jener Region im Nordosten der Südafrikanischen Republik, die gezählte 605 Vogelarten und eine große Vielfalt wunderbarer Beobachtungsziele zu bieten hat.

Wo der völkerkundlich und historisch interessierte Besucher auf den Spuren der großen Zulu-Könige Cetshwayo und Shaka wandeln kann, kann er – so seine Passion auch oder besonders der Vogelwelt gilt – Arten wie Olivbartvogel (Stactolaema olivacea), Fischeule (Scotopelia peli), Neergard’s Nektarvogel (Cinnyris neergaardi) oder den Palmgeier treffen.

Wo die europäischen Siedler noch bis ins 20. Jahrhundert hinein einen harten Überlebenskampf unter ungewohnten Klimabedingungen zu führen hatten, wo sie mit den stolzen einheimischen Zulus zunächst in weitgehend friedlicher Koexistenz lebten, bevor das Britische Empire deren Herrschaftstrukturen zerschlug, dort hat die Natur Lebensräume geschaffen, deren Artenvielfalt atemberaubend ist. Innerhalb von sechs Reisetagen ist selbstverständlich nur ein Teil dieser Lebensräume zu besuchen und sinnvolle Vogelbeobachtung zu betreiben. Hektisches Abhaken von Beobachtungslisten wäre hier auch nicht angesagt gewesen, sollten doch nicht nur interessante Arten entdeckt und beobachtet, sondern mittels Spektiv und kompakter Digitalkamera auch in guter Qualität als Bild dokumentiert werden.

Die Anreise von Europa aus erfolgt über Johannesburg oder Kapstadt nach Durban am Indischen Ozean. Von dort führt die Reise mit dem Kraftfahrzeug nach Norden. Dort beginnt die Zululand-Birding-Route. Es würde Wochen in Anspruch nehmen, wollte man all die interessanten Vogelbeobachtungsplätze in Zululand besuchen und dort Vögel beobachten. Und so war für die Reisegruppe Auswahl angesagt.


Eshowe – Dhlinza Forest

Zuerst ging es in die Region Eshowe. Eshowe liegt zentral für Vogelbeobachter, weil es von mehreren ursprünglichen Waldgebieten, Savannen und Steppen in erreichbarer Entfernung umgeben ist, die viele gute Beobachtungsgebiete mit verschiedenen Habitaten beherbergen.

Einer davon ist der 250 Hektar große Dlinza Forest. Auf dem sogenannten Unkonka Trail durch diesen Urwald finden wir – ein bisschen überraschend im Monat Juli, mitten im Winter also – gleich mehrfach die Fleckengrunddrossel (Zoothera guttata), wie sie am Waldboden im trockenen Laub nach Würmern scharrt. Leicht ist sie nicht zu entdecken, selbst wenn sie nur 15 Meter entfernt auf einem Ast knapp über dem schattigen Waldboden sitzt. Und es ist auch nicht einfach, sie mittels Spektiv plus Digitalkamera groß ins Bild zu setzen – erst muss man sie mit dem Spektiv einmal ins Sehfeld bekommen.

Doch die per Digiscoping erstellten Bilder können sich zu Dokumentationszwecken dennoch sehen lassen. Viel mehr aber auch nicht, denn die Grenzen der Physik lassen sich nicht überschreiten: Die Lichtstärke am Waldboden ist ziemlich niedrig, entspricht etwa der Lichtintensität in der mittleren Dämmerung. Hohe Empfindlichkeit entsprechend ASA 400 oder höher, weite Blendenöffnung und lange Belichtungszeit der Kamera sind alles andere als Garanten für ein scharfes, kontraststarkes Bild. Die gefleckte Drossel ist freilich nicht die einzige interessante Vogelart im Dlinza Forest. Hier ist die Zimttaube (Aplopelie larvata), der Olivwürger (Telophorus olivaceus), der Trompeter-Hornvogel (Ceratogymna bucinator), der Kronentoko (Tockus alboterminatus), die Bronzehalstaube (Columba delegorguei), der Weiße Bartvogel (Stactolaaeme leucotis), der Waldnektarvogel (Hedydipna collaris), die Nataldrossel oder der Große Halsband-Nektarvogel (Cinnyris afer) zu finden.

Eine Besonderheit des Dlinza Forests ist ein stabiler, 125 Meter langer Holzsteg, der in 10 Meter Höhe durch die Kronenzone führt und einzigartige Einblicke in Vogelperspektive von
diesem ursprünglichen Lebensraum bietet. Vom 20 Meter hohen Beobachtungsturm aus ist sogar ein wunder-
voller Blick zum Indischen Ozean möglich.

Der Begriff „Dlinza“ weist darauf hin, wie geschichtsträchtig die Region ist. Er leitet sich aus der Zulu-Sprache ab und bedeutet so viel wie „Grabstätte“. Tatsächlich war einer er ersten Häuptlinge der „Sibiya“ hier in diesem Bereich begraben worden. Und als einst noch Elefanten hier ihre Fährte zogen, soll der legendäre Zulu-König Shaka hier seine Frauen und Kinder vor den Angriffen eines feindlichen Häuptlings versteckt haben.

Bonamanzi Nature Reserve

Der Bonamanzi Game Park ist einer der besten Birdingplätze in Südafrika und gleichzeitig optimal für eine Digiscoping-Tour. Grund dafür ist die „vogelfreundliche“ Ausstattung mit Futterautomaten und Vogelbädern sowie die an die Natur angepassten Unterkünfte, die in das Herz des sogenannten Sandwaldes führen.

Schon bei der Anreise und kurz nach Eintritt in das Parkgelände präsentiert sich der erste interessante Vogel: Auf der staubigen Piste im Scheinwerferlicht des Busses sitzt die Pfeifnachtschwalbe (Caprimulgus pectoralis). Sie hat alle Zeit der Welt, gut für eine Truppe von Birdwatchern, die gleich mit Stativ, Spektiv und Kamera anrücken und – das Scheinwerferlicht nützend – eine Unzahl von Fotos schießen. Die Qualität dieser digitalen Bilder ist – wie eine Überprüfung am Computer ergibt – unerwartet gut. Sie dokumentieren nicht nur die Art, sie zeigen den Vogel auch in einer erstaunlichen Schärfe, wobei die Farbkontraste, die ja nun von Natur aus bei diesem Vogel nicht groß sind – gut und realitätsnah wiedergegeben werden.

Bei einem Spaziergang durch den Wald im Innern des Parks erschließen sich drei unterschiedliche Ökosysteme. Hier sind 349 Vogelarten(!) aufgezeichnet, von denen 29 auf der Roten Liste geführt werden. Hier lebt etwa der Perlastrild (Hypargos margaritatus), der Gelbbrustgirlitz (Serinus citrinipectus), der Schwarzscheitel-Breitrachen (Smithornis capensis), der Natalheckensänger (Cercotrichas signata), der Erzkuckuck (Ceuthmochares aereus), Waldweber (Ploceus bicolor); der Nimmersatt (Mycteria ibis), die Nilgans (Alopochen aegyptiacus) oder der Braunkopfliest (Halcyon albiventris). Gute Chancen hat man, eine „Spezialität“ von Bonamanzi, den Gelbbrustgirlitz (Serinus citirnipectus) zu treffen, der oft in kleineren Gruppen auftritt.

Wer sich die Zeit nimmt und tiefer in das Gelände eindringt, hat gute Chancen, den Reichenow‘s Bergastrild (Hypargos margaritatus) anzutreffen. Sein Ruf ist relativ fein und leise – dabei aber sehr typisch.

Im Bonamanzi-Park hat man, nimmt man sich genügend Zeit, auch die Chance den Graubrustschlangenadler (Circaetus pectoralis) oder den Schwarzbrustschlagenadler (Cicaetus fasciolatus), den Raubadler (Aquila rapax) und den Wollkopfgeier (Trigonoceps occipitalis) zu sehen. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Die Unterkünfte im Bonamanzi-Park haben neben ihrer Lage direkt in einem sehr artenreichen Naturraum einen weiteren Vorteil: Von hier aus lassen sich weitere interessante Beobachtungsplätze in einer Umgebung von einer bis anderthalb Fahrzeugstunden Entfernung erreichen.


Hluhluwe Game Reserve

In diesem riesigen Schutzgebiet bot sich eine Vielzahl von Beobachtungsobjekten. Und dazu zählten nicht nur Vögel: In drei Stunden die Big Five in freier Wildbahn zu sehen, ist nicht jedem Safariteilnehmer vergönnt. Aus gutem Grund ist es hier streng verboten, das Fahrzeug zu verlassen. Für wenige Sekunden zeigte sich in rund 20 m Entfernung im trockenen Gestrüpp am gegenüberliegenden Bachufer ein Leopard, zwei kapitale Kaffernbüffel standen rund 30 Meter vom Fahrzeug entfernt im Busch. Eine Löwin erregte die Aufmerksamkeit vom hochgelegenen Restaurant aus in rund 600 Meter Entfernung am Gegenhang, und eine Herde von Elefanten in der Dämmerung gab einen Eindruck ihrer Kraft und ihres Einflusses auf die Vegetation. Mehrfach äste in unmittelbarer Nähe der Fahrzeugpiste ein Nashorn. Eines davon hatte den Rotschnabelmadenhacker (Buphagus africanus) im Nacken sitzen. Diese Vögel säubern die Haut von Großsäugern von parasitären Insekten. Ob sie aber immer nur ein Segen sind, sei dahingestellt: Immerhin halten sie kleine Wunden offen und bedienen sich am austretenden Blut.


Mkuze Game Reserve

Auch dieses Beobachtungsgebiet ist von der Bonamanzi Lodge aus rasch zu erreichen. An einem Campinggelände, wo Bäume und Büsche relativ niedrig sind, posierte etwa der Weißbrauen-Heckensänger (Erythropygia leucophrys) und ließ sich, aus voller Kehle singend, vielfach und gern digiskopieren. Auf diesem Gelände zeigte sich auch der Braunflügelmausvogel (Urocolius striatus). Eine kleine Gruppe dieser Vögel saß gerade zur Futteraufnahme in den Blüten der herrlich orangenen Aloe-Stäucher. Auch sie stellten dankbare Digiscoping-Motive, zumal sie in ihrem Fresseifer zwar dann und wann einmal den Baum wechselten, aber oft lange genug für Aufnahmen an einem Platz verweilten.

Im Bereich dieses Campinggeländes ließen sich noch andere Arten wie etwa der Rotschulter-Glanzstar (Lamprotornis nitens) und verschiedene Arten von Webervögeln beobachten und fotografieren.


Nsumo Pan im Raum Mkuze

Die Nsumo Pan ist ein weitläufiges Feuchtgebiet mit interessanten Arten. Das Gebiet beheimatet Südafrikas einzige Brutkolonie des Rötelpelikans (Pelecanus rufescens). Gerade diese Kolonie bot die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der Digiskopie auszutesten. In mehr als 500 Meter Entfernung vom Beobachtungspunkt aus befand sich sich die Kolonie in den Kronen hoher Bäume. Zeit zur Einstellung von Spektiv und Kamera ist hier genug – Nestlinge bleiben ja am Platz. Beeindruckende Szenen der Fütterungsdetails ließen sich hier nicht nur fotografieren, sondern – die entsprechende Kamera vorausgesetzt – auch in Gestalt kurzer Videosequenzen festhalten. Und das nur so mal „im Vorbeigehen“, ohne Tarnzelt hoch im Nachbarbaum … Und während eine Gruppe Flusspferde im See äsend und grunzend den Nachmittag verbrachte, ließ sich der Rahmbrustprinie (Prinia subflava) beobachten. Diese kleinen Vögel sind sehr aktiv und sangeslustig – und gar nicht so einfach vor den Kamerachip zu bekommen.


Wakkerstrom und Umgebung

Einen völlig anderen Charakter als alle vorher besuchten Beobachtungsgebiete boten die durch den Burenkrieg geschichtsträchtigen Wakkerstrom Mountains. In diesem gebirgigen und hoch gelegene Grasland ist etwa die Transvaalspornlerche (Heteriforma ruddi), die Finkenlerche (Spizocorys fringillaris) und der Gelbbrustpieper (Hemimacronyx chloris) zu Hause. Auch der Blattnackenibis (Geronticus calvus), der Großspornpieper (Macronyx capensis) und die Blautrappe (Eupodotis caerulescens) waren anzutreffen.

In den Felsgebieten zeigte sich der farbenprächtige Langzehenrötel (Monticola explorator) und der Erdspecht (Geocolaptes olivaceus).

Die Feuchtgebiete rund um Wakkerstrom bieten für Wasservögel sowie auch seltene Arten wie die Kapohreule (Asio capensis) und Graseule (Tyto capensis) Lebensraum.

Das Licht in den interessanten Beobachtungsphasen morgens nach und abends vor Sonnenuntergang schafft eine beeindruckend warme Stimmung. Für den Einsteiger in die Digiskopie boten sich hier zahlreiche Möglichkeiten, sich mit der Technik vertraut zu machen. So harrte etwa der Riesenfischer (Ceryle maxima – drittes Bild von unten) immer lange genug aus, um sich in aller Ruhe fotografieren zu lassen.

Zusammengefasst bleibt nur die Erkenntnis, dass sowohl Zululand wie der Raum Wakkerstrom sehr lohnende Ziele für Birdwatcher sind. Es zeigte sich, dass auch der Einsteiger in die Digiskopie mit Geduld und der richtigen Ausrüstung bald die exzellenten Möglichkeiten dieser speziellen Art der Naturfotografie beherrschen lernt – und dabei automatisch länger an einem Platz verweilt. Die Hetze geht zurück, der Genuss steigt.

 
 
zurück zur Übersicht
 

 

Aktuelles Heft

Inhalt Bestellung
Online im aktuellen Heft bl�ttern

vögel auf facebook und twitter


Vögel - Der Online-SHOP


Bild des Monats

 

   © 2020 dwj Verlags-GmbH    Impressum   Datenschutz   Verlag   |   Produktion: www.querformat.info