Die Federn von Vögeln sind für Wissenschaftler natürliche Datenspeicher. Denn bei jeder Mauser bildet sich in ihnen ein Isotopenmuster ab, das Informationen über Ernährung und Aufenthaltsort der Tiere bergen kann. So können die Federn Daten von Orten liefern, wo Telemetriesender und GPS versagen.
Kohlenstoff- und Stickstoffatome halfen Forschern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie kürzlich aus der Predouille. Denn sie wollten Details über das Zugverhalten eines Seevogels herausfinden. Weil Beringungsmethoden oder Radiotelemetrie auf dem offenen Meer geringen Erfolg haben, griffen die Forscher auf ein natureigenes Datenarchiv zurück: Sie sammelten am Brutplatz Federn der betreffenden Art, die dann am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierbiologie in Berlin mit einem Massenspektometer auf ihren Gehalt an stabilen Isotopen untersucht wurden. Insbesondere das schwere Isotop C13 des Kohlenstoffs ist auf dem Meer nicht gleichmäßig verteilt. Seine Häufigkeit in Algen, die die Grundlage der ozeanischen Nahrungsnetze bilden, nimmt mit geringerer Meerestemperatur ab. Dadurch haben Vögel im Nahrungsnetz des Antarktischen Ozeans einen niedrigeren Gehalt an C13 als Tiere in gemäßigten Meeresgebieten. Während der Mauser werden neue Federn gebildet und dabei eben C13 je nach Aufenthaltsort in unterschiedlicher Menge eingebaut.
Dem Forscherteam um Petra Quillfeldt am Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell ist es auf diese Weise gelungen, Details im Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln zu entschlüsseln: 90% der Dünnschnabel-Walvögel suchen zur Mauser die antarktischen Gewässer auf - einzelne Vögel mausern jedoch auch weiter nördlich vor Südamerika. Die Ergebnisse zeigen ein äußerst flexibles Verhalten der Tiere, das ihnen in ihrem dynamischen Lebensraum das Überleben sichert.