Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Stunde der Wintervögel – Zwischenbilanz
09.01.2018

In einer ersten Zwischenbilanz meldet der Landesbund für Vogelschutz (LBV), dass Beobachter bei der diesjährigen Stunde der Wintervögel vermehrt Zugvögel gezählt haben.


Der NABU meldet: Die Zwischenbilanz der achten bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ zeigt: Der vergangene Winter mit den sehr geringen Vogelzahlen war offenbar eine Ausnahme. „Von den meisten Arten wurden bei der Stunde der Wintervögel in diesem Jahr wieder ähnlich hohe Zahlen gemeldet wie im langjährigen Durchschnitt“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Die besonders geringen Vogelzahlen vom Vorjahr waren also ein Ausreißer und haben sich zum Glück nicht wiederholt.“ Allerdings sei die Zahl der gemeldeten Wintervögel pro Garten im langjährigen Trend leicht rückläufig. „Nach den bisherigen Zwischenergebnissen wurden in diesem Jahr knapp 39 Vögel pro Garten gesichtet. Bei der ersten Zählung 2011 waren es noch 46. Im vergangenen Jahr waren es jedoch sogar nur 34 Vögel“, so Miller.

An den bisher erfassten Meldungen zeigen sich Auswirkungen des milden Winters auf das Zugverhalten einiger Teilzieher. „Wie im Vorjahr blieben Stare und Heckenbraunellen vermehrt bei uns. Auch eigentliche Zugvögel wie Bachstelzen, Hausrotschwänze und Zilpzalpe wurden deutlich häufiger gemeldet als sonst“, so NABU-Vogelschutzexperte Marius Adrion. „Durch die milden Winter der vergangenen Jahre können diese Arten vermehrt in Deutschland erfolgreich überwintern. Gleichzeitig ließen sich Meisen, Finken und Eichelhäher diesmal nicht davon abhalten, aus dem Norden und Osten zu uns zu ziehen. Mildes Wetter reicht allein nicht aus, um eine geringe Zahl an Wintervögeln in den Gärten vorherzusagen. Auch Faktoren wie das Angebot an Baumsamen im Wald und das Wetter in anderen Teilen Europas spielen eine Rolle.“

Der Haussperling ist mit im Schnitt 5,7 Exemplaren pro Garten wieder der am häufigsten gemeldete Vogel. Die Kohlmeise (5,3) hat den Abstand zur Spitze wieder verkleinert. In diesem Jahr hat sie den Titel der am weitesten verbreiteten Art ergattert. In 96 Prozent aller Gärten und Parks wurde sie gesichtet und verdrängt damit die Amsel als bisherigen Spitzenreiter.

Bei den Teilnehmerzahlen bei der Stunde der Wintervögel geht es offenbar weiter nach oben. Mit bis zum heutigen Dienstag über 80.000 Teilnehmern, die ihre Sichtungen aus über 50.000 Gärten und Parks dem NABU und seinem bayerischen Partner LBV gemeldet haben, deutet sich erneut ein Rekord an. Noch bis zum 15. Januar können Zählergebnisse nachgemeldet werden, auch die Eingabe der postalisch eingegangenen Meldungen steht noch aus. Außerdem findet noch bis zum 12. Januar die „Schulstunde der Wintervögel“ statt. Die Endauswertung der Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ ist für Ende Januar geplant."

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern gab einen eigenen Zwischenbericht ab, der sich in seinen Aussagen aber wesentlich mit denen des NABU deckt,

„Vögel singen, Insekten fliegen, die ersten Blumen blühen. Die Auswirkungen der bisher milden Wintertemperaturen waren am Dreikönigswochenende bei der Stunde der Wintervögel sogar direkt zu beobachten. So zählten die Teilnehmer von Bayerns größter wissenschaftlicher Mitmachaktion im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr Stare, Hausrotschwänze oder Bachstelzen.

Diese Kurzstreckenzieher sind normalerweise darauf angewiesen, den Winter im wärmeren Mittelmeerraum zu verbringen. Nun finden sie aber in der kalten Jahreszeit auch bei uns noch genügend Nahrung und sparen sich deshalb immer häufiger den gefährlichen Flug in den Süden. Nach dem Eingang von ungefähr einem Drittel der Meldungen zeichnet sich am Sonntagnachmittag eine gute Gesamtbeteiligung ab. So hatten wir bis dahin knapp 8.500 Bayern über 180.000 Vögel gemeldet.

Nach dem Einbruch im Vorjahr ist die Kohlmeise bei einer ersten Zwischenbilanz zurück an der Spitze und der am häufigsten beobachtete Vogel in Bayern. Dahinter liefern sich Feld- und Haussperling ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sorgen macht den Naturschützern jedoch das schwache Abschneiden der Amsel, die hinter der Blaumeise auf den 5. Platz abrutscht. Noch bis zum 15. Januar können Teilnehmer dem LBV ihre Beobachtungen vom Wochenende schriftlich oder online melden unter www.stunde-der-wintervoegel.de.

Balzende Meisen, blühende Alpenveilchen und sogar fliegende Insekten. Von Winter ist in den meisten Teilen Bayerns bei den derzeitigen Temperaturen nicht viel zu spüren. So überrascht es auch nicht, dass immer mehr Zugvögel, die wie der Star zu den sogenannten Kurzstreckenziehern gehören, lieber bei uns überwintern. Viele von ihnen warten bis zum Spätherbst und reagieren für den Sprung über die Alpen auf die aktuelle Wetterlage.

Bisher konnten sie in großer Zahl hierbleiben und wurden von vielen Teilnehmern beobachtet. Dabei kratzt der Star an der Top 20 der häufigsten Vögel und wurde bisher im Verhältnis zum Vorjahr 60 Prozent häufiger gemeldet. Die Zuwächse bei Hausrotschwanz und Bachstelze liegen jetzt schon bei über 100 Prozent.

So profitiert der Vogel des Jahres von den gemäßigten Wintertemperaturen. Die Stare, die in den vergangenen milden Winter nicht weggezogen sind, haben mehr oder fittere Junge bekommen. Diese bleiben nun auch hier und könnten sich so wiederum einen Vorteil bei der Fortpflanzung verschaffen. Diese Tendenz bestätigen auch die hohen Zahlen der anderen daheimgebliebenen Zugvögel, die neben Hausrotschwanz und Bachstelze auch noch bei Mönchsgrasmücke oder Heckenbraunelle zu beobachten sind.

Nachdem im Vorjahr die Kohlmeise aufgrund eines geringeren Zuzugs von Gästen aus Nord- und Osteuropa und wegen eines regional schwachen Brutjahres stark abgerutscht war, ist sie nun vorerst wieder Bayerns am häufigsten beobachteter Gartenvogel. Ob sie ihren Spitzenplatz vor dem Haussperling behaupten kann, ist aber noch nicht klar.

Das diesjährige Sorgenkind ist dagegen die Amsel. Der Vorjahresdritte ist zur Zwischenbilanz nur der fünfhäufigste Vogel, so schlecht wie seit 2014 nicht mehr. Warum die Amsel trotz eines positiven Trends in den letzten drei Jahren nun wieder so abgestürzt ist, können wir derzeit noch nicht erklären.“

 
 
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